Geschichte

Nachdem bereits im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts Pädagogen darüber diskutierten, welche Erziehungs- und Schulziele mit welchen Lerninhalten zum Wohle des Individuums und der Gesellschaft zu fördern seien, geriet auch die körperliche Bildung immer häufiger ins Blickfeld. Unter den zahlreichen Nationalerziehungsplänen ragte der von Friedrich Ludwig Jahn 1810 als Deutsches Volkstum vorgelegte Entwurf vor allem durch ein hohes Maß an konkreten Vorstellungen hervor. Besonders die Einbeziehung der Leibesübungen, wie Jahn sein Turnen damals noch nannte, und sein leidenschaftliches Engagement führten sein Modell zumindest zu einem zeitlich begrenzten Erfolg.

Und so ist das von Jahn im Sommer 1811 in der Berliner Hasenheide initiierte öffentliche Turnen, zu dem auch Laufen, Werfen, Springen sowie Ringen, Fechten, Schwimmen, Wandern und viele Spiele gehörten, eine der Wurzeln des heutigen vielfältigen Sporttreibens.

Nach Ablauf der für das gesamte Deutsche Turnwesen sehr hemmenden Turnsperre von 1819 bis 1842 – sie war Antwort der Herrschenden auf den zu großen Freiheitsdrang und Einheitswillen der deutschen Jugend nach der Befreiung von Napoleon – riefen Berlins turnbegeisterte Bürger dazu auf,

zu Ehren und zur ständigen Erinnerung an Friedrich Ludwig Jahn ihm ein großartiges Denkmal zu setzen.

Die Grundsteinlegung in der Hasenheide erfolgte 1861, doch eingeweiht wurde es erst 1872.

Zu dieser Zeit (1861) gab es in Berlin 33 Männerturnvereine und 6 Knabengenossenschaften, die zum größten Teil Vereinigungen wie dem „Berliner Turnrath“ oder der Turngemeinde in Berlin angehörten. Immer wieder kam aus den verschiedensten Erwägungen heraus der Wunsch nach einer Vereinigung aller Berliner Turner in einer straffer geführten Organisation auf, doch man kam zu keiner Einigung. So kam es, dass 13 der damals größten Berliner Vereine aus dem „Berliner Turnrath“austraten und am 16. Mai 1863 die Berliner Turnerschaft gründeten.

800 erwachsene Mitglieder traten der Berliner Turnerschaft bei. Zunächst behielten sie ihre Vereinsnamen und turnten auch weiterhin in ihren bisherigen Turnsälen. Erst einige Zeit später erfolgte die Nummerierung der Abteilungen.

Zu den Männern der ersten Stunde zählten Dr. Eduard Angerstein, Fritz Siegemund und Dr. Ferdinand Strassmann. Unter ihrer Leitung gab sich der Verein eine Verfassung, die dafür sorgte, dass der Turnbetrieb geordneter verlief und die Verwaltung strenger geregelt wurde.

Der Vereinsvorstand erkannte schon bald, wie wichtig die Ausbildung jüngerer Turner war, die nun einmal zur Weiterentwicklung des Vereins erforderlich sind. Also wurden auch die 6 Knabengenossenschaften von der Berliner Turnerschaft übernommen und aus ihnen Schüler- und Jugendabteilungen gebildet.

30 Jahre sollte es allerdings noch dauern, bis auch den Frauen das Turnen im Verein gestattet wurde und die erste Mädchen-Abteilung eröffnet werden konnte. Durch den enormen Mitgliederzuwachs zählte die Berliner Turnerschaft schon bald zu den größten Turnvereinen Deutschlands und sollte es Jahrzehnte über bleiben.